Wie alles anfing - 21 Jahre Wohnprojekt auf dem Layenhof

Im Herbst 1994 berief der damalige Mainzer Sozialdezernent Willi Abts eine Zusammenkunft in den Frankfurter Hof, um dem drohenden Verfall und Vandalismus des von der US-Armee bereits verlassenen Wohngebietes auf dem Layenhof eine soziale Gestaltungsinitiative entgegenzusetzen. Er bot den Versammelten u.a. zwei bis drei Wohnblocks für ein integratives Wohnen auf dem Layenhof an, falls sich eine verantwortliche Initiativgruppe fände. Cornelie Unger-Leistner, Waldorf-Mutter aus Mainz und Kathrin Sachs, Mitglied des Vereins für gemeinsames Wohnen für Jung und Alt, erklärten sich spontan dazu bereit. Das Angebot der Stadt wurde in eine Arbeitsgruppe eingebracht, welche sich in der Waldorfschule Mainz für eine soziale Vision für den vorgesehenen neuen Mainzer Stadtteil Layenhof gebildet hatte. Diese gab sich den Namen Sozialimpuls Layenhof und entwarf ein Leitbild mit verschiedenen anthroposophischen Einrichtungen, unter denen das Wohnprojekt eine Möglichkeit des gemeinschaftlichen Zusammenlebens werden sollte. Der neue Stadtteil wurde schließlich nicht realisiert, weil auch andere Konversionsgebiete im Umkreis frei wurden und von der Stadt Mainz kein Bedarf mehr erkannt wurde. Dadurch stand das Wohnprojekt, das in vielen Sitzungen mit Interessierten aus dem ganzen Bundesgebiet während des Winters 1994/95 herausgearbeitet, beschlossen und schließlich mit Hilfe der ↪Wohnbau Mainz GmbH realisiert wurde, als einzige der ursprünglich geplanten Initiativen da. Es musste sich mit einer weitaus bescheideneren Perspektive zufrieden geben und sich in dem kleinen Umfeld des Layenhofs zusammen mit anderen Bewohnern einrichten.

Bezogen wurden die beiden Blocks mit insgesamt 32 Mietparteien ab Sommer 1995 in einer Aufbruchs- und Euphoriestimmung. Der Verein Sozialimpuls Layenhof e.V. trat als Gründungsverein für das Wohnprojekt gegenüber der Stadt auf und leitete die Entstehung etwa drei Jahre lang bis zur Gründung des Vereins Wohnprojekt Layenhof – Verein für gemeinschaftliches Wohnen e.V. Es wurde der noch heute gültige Generalmietvertrag mit der Wohnbau Mainz abgeschlossen, der Eigenständigkeit im Belegen der Wohnungen gewährt und durch großzügiges Entgegenkommen bei Finanzierungsfragen gefördert wurde. Die Anfangszeit war geprägt von langen Sitzungen der Selbstfindung und dem Ringen um Gestaltungsfragen. Es gab Auseinandersetzungen durch konkurrierende Absichten, unterschiedliche Sichtweisen usw...

Das Beziehen der Wohnungen nach zwei Wintern des Leerstands brachte aufgrund der relativ schlechten Bausubstanz einige Überraschungen. Zudem waren einige Bewohner in der Hoffnung gekommen, hier auch ein Betätigungsfeld im sozialen Bereich mit Verdienstmöglichkeit zu finden, was durch die fehlende Umsetzung der ursprünglichen Planung für den Stadtteil nicht mehr gegeben war. So gab es von Anfang an Wechsel in der Belegung der Wohnungen, aber nie einen längeren Leerstand. Eine größere Umwälzung entstand ab 2001 durch die umfassende Sanierung und Neugestaltung der Häuser im Zuge der Beseitigung des gefährlichen PAK-Klebers unter den Parkettböden. Diese wurden komplett durch die Wohnbau Mainz ausgetauscht und im Einvernehmen mit den Bewohnern wurde auch eine äußere Sanierung und Neugestaltung vorgenommen. Die Wohnprojektsidee wurde in dem schöner gewordenen Umfeld durch die Neuhinzukommenden immer wieder neu belebt. So fühlen sich vor allem Familien und Einzelpersonen mit Kindern hier angesprochen. Von Anfang an lebten auch Betreute und Betreuer (↪Verein WA(H)L e.V.) in diesem Projekt. Die relativ statische Besetzung der Anfangsjahre ist im Laufe der Zeit einer Dynamik des stetigen Wechsels gewichen, die immer wieder neue Ideen und Impulse ins Wohnprojekt bringt.